Die Tradition des Vorlesens lebt

Anna Stuhlberger (6d) ist Schulsiegerin beim OHG-Vorlesewettbewerb

Viele Erwachsene kennen den Vorlesewettbewerb noch aus ihrer eigenen Schulzeit. Kein Wunder, denn der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels alljährlich veranstaltete bundesweite Wettbewerb wurde das erste Mal im Jahre 1959 ausgetragen und ist seither ein fester Programmpunkt im Jahresablauf vieler weiterführender Schulen. Landauf, landab messen sich jährlich 600.000 Schülerinnen und Schüler in der Kunst des Vorlesens. Selbst in der Corona-Zeit erweist sich diese Tradition als ‚unkapputbar‘, auch wenn ihre Fortführung durchaus an ein paar Herausforderungen geknüpft ist.

Der Schulwettbewerb des Ottheinrich-Gymnasiums konnte in diesem Jahr endlich wieder dort stattfinden, wo das Vorlesen am meisten Spaß macht, nämlich in der Stadtbibliothek Wiesloch. Bibliothekarin Claudia Kellner sorgte für die Einhaltung der geltenden Regeln und darüber hinaus für eine gemütliche und anheimelnde Atmosphäre.

Felix Bauer (6a), Tabea Reich (6b), Johann Fübbeker (6c), Anna Stuhlberger (6d) und Sophie Beyer (6e) nahmen die vorgeschriebenen Rahmenbedingungen – sie mussten allesamt mit Maske vorlesen – sportlich und meisterten sie souverän. Nachdem in der ersten Runde jede(r) sehr überzeugend einen selbstgewählten und vorbereiteten Text vorgetragen hatte, wurde den Kindern in der zweiten Runde ein vorher unbekanntes Werk vorgelegt: Das Jugendbuch „Adresse unbekannt“ der kanadischen Autorin Susin Nielsen spielt in Vancouver und handelt von einem Jungen, der sich in einer schwierigen familiären Situation beweisen muss.

Nicole Klasen, die Organisatorin des Wettbewerbs, wies vor Beginn der zweiten Vorleserunde darauf hin, dass kleinere Versprecher oder Unsicherheiten – beispielsweise bei den englischen Namen – natürlich nicht mitgewertet werden. Wie auch bereits im ersten Durchgang achtete die Jury vor allem auf die Lesetechnik und die Interpretation des Textes.

Im Anschluss an die beiden Lesedurchläufe war die Spannung groß. Während die fünf Kandidaten und ihre Unterstützer in der zu diesem Zeitpunkt noch leeren Bibliothek schmökern durften, musste sich die Jury intensiv beraten, um zu einem Ergebnis zu kommen. Aufgrund der interpretatorisch sicheren Vortragsweise kürten die sechs Deutschlehrkräfte Anna Stuhlberger aus der Klasse 6d als Schulsiegerin. Anna darf das OHG im Februar beim Vorlesewettbewerb auf Kreisebene vertreten. Dieser wird, wie auch bereits im vergangenen Schuljahr, in digitaler Form stattfinden. Die anderen Vier, so betonte Nicole Klasen, dürften keinesfalls traurig sein. Jeder, der beim Schulwettbewerb antrete, habe seine Vorlesekompetenz bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt.