Ein globales Problem muss auch global angegangen werden

Drei Schülerinnen auf den Spuren der nachhaltigen Stadtentwicklung in Kopenhagen unterwegs

Kalina, Ela und Josephine (hier am Nyhavn) begaben sich in Kopenhagen auf die Spuren einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Von Josephine Grünberg (J1)

Der Begriff der Nachhaltigkeit weist auf ein Problem unserer Zeit hin, das mit viel gesellschaftlicher Aufmerksamkeit und auch mit allerlei Emotionen verbunden ist. Umso wichtiger erscheint es, sich fundiert und sachlich mit Ursachen, Faktoren und Lösungsansätzen zu beschäftigen. Dies wird im Curriculum des Gymnasiums durch eine entsprechende Schwerpunktsetzung abgebildet. Doch neben der Auseinandersetzung im Klassenzimmer ist es geboten, Realitätsbezüge herzustellen.

Wir, drei Schülerinnen des OHG, erhielten die Möglichkeit, uns vor Ort und anhand einer konkreten Fragestellung mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen beobachteten wir, wie dort mit den gegenwärtigen Herausforderungen für eine nachhaltige Stadtplanung und Stadtentwicklung umgegangen wird. Unterstützt wurde unser Projekt von der Organisation Erasmus+.

Um einen Überblick zu bekommen, nahmen wir zunächst an einer Stadtführung zu Fuß teil. So konnten wir nicht nur sehr viel über die Stadt und ihren geschichtlichen Hintergrund lernen, sondern erfuhren auf direktem Wege die Bedeutung des Fahrrads in der dänischen Hauptstadt, die ja als herausragendes Beispiel einer Fahrradstadt gilt. Als Fußgänger war nicht nur auf die von Autos befahrene Fahrbahn zu achten, sondern ebenfalls auf die gleichrangigen Fahrradstraßen. Das Konzept, dass Fahrräder den gleichen Raum sowie die gleichen Rechte wie alle anderen mobilen Fahrzeuge besitzen, überzeugte uns sehr, auch wenn man sich daran erst einmal gewöhnen muss. Der Gedanke dahinter, dass Fahrradfahren mit einer entsprechenden Infrastruktur lukrativer und effizienter als Autofahren wird, erfüllt sich und führt zu immer weiteren Maßnahmen, sei es die Verringerung von Parkplatzflächen oder die Schaffung von Fahrradstraßen, in welchen Autos nun verboten sind.

Die persönliche Stadtführung mit einem Geographielehrer der deutschsprachigen Sankt Petri Skole brachte uns besondere Einsichten. Kopenhagen überzeugt durch CO2-neutrale Projekte wie das Green Lighthouse, die International School oder die Müllverbrennungsanlage Copen Hill, die die Wissenschaft fördern und die Architektur und Stadtentwicklung auf die neuesten Standards bringen soll. Ein weiterer Zweig des Kopenhagener „Nachhaltigkeitsbaums“ ist der der Anpassung. Schon heute wird Kopenhagen durch die klimatischen Veränderungen herausgefordert und muss Wege finden, damit zurechtzukommen. Der „Israels Plads“ im Herzen der Stadt wurde beispielsweise auf kreative Art und Weise so umgestaltet, dass bei extremem Niederschlag das Wasser zuerst in Parks oder Seen geleitet wird, wo es den Anwohnern nicht auf direktem Wege schadet.

Schließlich hatten wir auch die Möglichkeit, die Schule unserer ehemaligen Schulleiterin, Dr. Svenja Kuhfuß, zu besuchen und konnten dort zusätzlich zur Erfahrung des Schulalltags in den direkten Austausch mit Gleichaltrigen treten. Bei der Erwähnung unseres Projekts und unserer Aufgabenstellung stießen wir mehr als einmal auf verblüffte Gesichter. Die Dänen nehmen sich selbst nicht als besonders nachhaltig wahr und behaupten im Gegenteil, sie könnten sich eine Scheibe von uns Deutschen abschneiden. Natürlich nutzten wir dieses positive Vorurteil auch in der Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern der Sankt-Petri-Schule. Angefangen mit der Frage, welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Alltag spiele, kamen wir in einen angeregten Austausch über Möglichkeiten, unseren persönlichen Beitrag zu leisten. Doch auch die Rolle der Politik wurde erörtert, beispielsweise bei der Bereitstellung kostenloser oder zumindest kostengünstiger öffentlicher Verkehrsmittel.

Für uns drei Schülerinnen war diese Reise eine Möglichkeit, international in den Austausch über ein Thema zu treten, das uns sehr beschäftigt. Wir erlebten Kopenhagen nicht nur als touristisches Reiseziel, sondern wurden mit kritischem Blick auf diese Reise geschickt. Uns wurde klar, dass eine Stadt sich nicht nur durch neueste Innovationen auszeichnen kann, sondern dass die Nachhaltigkeit, die wir suchen, vor allem bei den Menschen und im Kleinen beginnt. Das Wichtige hierbei ist, durch Erfahrungen anderer zu lernen und diese je nach Möglichkeit auch hier bei uns umzusetzen. Kopenhagens Ziel, bis 2025 CO2-neutral zu werden, ist sicher ambitioniert, aber auch trügerisch im Anbetracht dessen, dass bei den Berechnungen der Flughafen, welcher einer der größten Skandinaviens ist, ausgegliedert wird. Wie man sieht, lässt das Thema Nachhaltigkeit also keine einfache Schwarz-Weiß-Bewertung zu. Schließlich gibt es auch kein Endziel, wann eine Stadt ihre nachhaltige Entwicklung abgeschlossen hat. Dementsprechend nehmen wir aus dieser Reise vor allem eines mit: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, welcher durch Austausch, Kommunikation und Kooperation gefördert werden sollte. Nicht alle kreativen Ideen taugen in der Praxis und im realen Leben etwas, aber vor allem wir als Jugendliche werden durch Austausch angeregt, selber aktiv zu werden. Der internationale Rahmen öffnet die Perspektive für die globalen Ausmaße und die Notwendigkeit eines globalen Zusammenhalts bei der Inangriffnahme dieses weltweiten Problems.

Wir sind sehr froh, diese und noch mehr Erfahrungen gemacht haben zu dürfen, und sind sehr dankbar für die großzügige Finanzierung durch das Erasmusplus-Programm, aber vor allem auch für die Organisation durch unsere Lehrerinnen Heike Hellwarth, Iris Graf und Dr. Svenja Kuhfuß, welche uns auf dieser Reise begleitet haben.

Kalina, Ela und Josephine (hier am Nyhavn) begaben sich in Kopenhagen auf die Spuren einer nachhaltigen Stadtentwicklung.