Dornröschen war ein schönes Kind, braves Kind, schönes Kind ... Wer das Märchen der Brüder Grimm und das bekannte Kinderlied kennt, denkt beim Namen "Dornröschen" nicht unbedingt an eine jugendliche Rebellin. Die Königstochter, einziges Kind ihrer Eltern, sittsam, wohlbehütet und -erzogen, fällt an ihrem 15. Geburtstag in einen todesähnlichen Schlaf, verpennt dann quasi ihre gesamte Pubertät und wacht 100 Jahre später als Braut des Prinzen, der sie aus dem Koma wachküsst, wieder auf.
Die "Kleine Theater-AG" des Ottheinrich-Gymnasiums hat alles gegeben, um diese etwas angestaubte Geschichte aufzupolieren und mit witzigen Anspielungen und zeitgemäßen Referenzen zu versehen. Als Vorlage diente eine Dornröschen-Parodie des Autors Daniel Ramsauer, die vom Ensemble und der Leitung (Dr. Verena Neumann und Johanna Hähnle) kreativ weiterbearbeitet wurde. Herausgekommen ist eine siebzigminütige Inszenierung voller Witz, Charme und Phantasie, mit Anklängen an Shakespeares "Sommernachtstraum", aber auch an bekannte Animationsfilme wie "Shrek" oder "Der gestiefelte Kater". Gratis obendrauf gab es noch einen Hauch von Rocky Horror Picture Show, denn das Publikum wurde nassgespritzt und die Band "Johnnys Jungs" hatte einen mitreißenden Überraschungsauftritt.
Das moderne Dornröschen, von ihren Eltern Rosa getauft, wird in dieser Version der Geschichte nicht von einer Spindel in den hundertjährigen Schlaf versetzt, sondern durch einen elektrischen Schlag. Um die Prophezeiung der bösen Fee zu verhindern, hat ihr Vater, der König, alle elektrischen Geräte, Stromleitungen und Steckdosen in seinem Reich entfernen lassen. Das hat allerdings zur Folge, dass Röschen in völliger Ahnungslosigkeit über die moderne – digitale – Welt aufwächst. Vor der Katastrophe schützen kann er sie mit der auferlegten Stromabstinenz natürlich nicht, eher bewirkt seine hilflose Maßnahme das Gegenteil, denn Rosa ist magisch angezogen von den Kopfhörern, die ihr die böse Fee zum 13. Geburtstag kredenzt. So nimmt das Unheil seinen Lauf und der gesamte Hofstaat erstarrt gemeinsam mit Röschen für 100 Jahre, ganz so, wie wir das vom originalen Märchen kennen.
In einer zweiten Handlungsebene können wir als Zuschauer den Entstehungsprozess des Stückes mitverfolgen: Die Theater-AG spielt sich selbst und führt uns vor Augen, dass einer solchen Teamleistung ein langer und kräftezehrender kreativer Weg vorausgeht, der zwar seine Glücksmomente beinhaltet, aber nicht ohne Konflikte und Reibereien verläuft. Da verliert nicht nur die Regisseurin mit ihrer Assistentin immer mal wieder die Fassung. Doch am Ende ist – ganz märchentypisch – alles gut: Ein kecker Prinz kämpft sich durch die Dornenhecke und weckt das schlafende Dornröschen mit einem gezielten und züchtigen Handkuss auf, die Schulband spielt Rock vom Feinsten (natürlich nicht unplugged), die gelangweilten Jugendlichen des 21. Jahrhunderts tanzen begeistert dazu und die Theater-AG hat endlich einen Plan, wie sie ihr Stück auf die Bühne bringen kann.
Neben der Premiere am Sonntag, dem 19. Oktober, gab es drei weitere Aufführungen, eine davon exklusiv für die gesamte sechste Jahrgangsstufe des OHG. Der Applaus des Publikums galt dem Ensemble und seiner Leitung ebenso wie der Band und der Technik-AG, die bestens für Licht- und Sound sorgte.
Alle Darsteller:innen besuchen die sechsten bis neunten Klassen.
Claudius Jeschek, Adrian Szorenyi-Valdes, Jan Salmen, Lasse Fath