Namensgeber

Unsere Schule trägt seit 2002 den Namen des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz (1502­–1559) aus der Familie der Wittelsbacher, der die Kurpfalz von 1556 bis 1559 regierte. Er ließ den nach ihm benannten Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses errichten, erlebte allerdings nicht mehr dessen Fertigstellung. Der Ottheinrichsbau ist der erste Palastbau der Renaissance auf deutschem Boden und gehört zu den schönsten seiner Art nördlich der Alpen.

Das Porträt des deutschen Malers und Kupferstechers Barthel Beham (1502-1540) zeigt Pfalzgraf Ottheinrich im Jahre 1535.


Ich bin euer Schulpatron

Ottheinrich stellt sich vor

Nachempfunden von StD Christian Annuschat nach einer Vorlage von Wolfgang Hartwich [1]

Ich habe mir [...] so meine Gedanken gemacht, wie eine Schule in Wiesloch auf die Idee kommen konnte, sich nach mir zu benennen. Natürlich ist es eine Ehre, aber die Frage hat mich doch interessiert.

Weniger von Bedeutung dürften meine baulichen Veränderungen auf dem Heidelberger Schloss gewesen sein, auch wenn ich nicht ohne Stolz sagen muss, dass der nach mir benannte Ottheinrichsbau prächtig war, außen wie innen. Das Äußere – habe ich mir sagen lassen können – könnt Ihr heute noch sehen. Das Innere war nicht minder prächtig. Ihr hättet einmal die Wandteppiche sehen sollen: Brüsseler Fertigung. Ein Augenschmaus, auch wenn ich weiß, dass Ihr Euch heutzutage eher Poster von Popstars oder Filmhelden an die Wände pinnt. Bei uns waren es halt Wandteppiche; auf denen wurden teilweise auch Stars ihrer Zeit abgebildet, ich zum Beispiel.

Wie auch immer, wenn es meine Baupolitik nicht war, dürften es wahrscheinlich auch nicht die neue Eheordnung oder die Kirchenreform gewesen sein, die Euch dazu veranlasst hat, mich als Namenspatron zu wählen.

Vielleicht aber finde ich den Grund, wenn ich an meine kulturellen Leistungen denke. Ja, meine Reform des Bildungswesens könnte ein Grund für die Wahl meiner ,,Wenigkeit" gewesen sein. Denn ich ließ den Zustand der Schulen beziehungsweise des Unterrichts überprüfen und kam zu dem Schluss, dass es überall Unterricht geben müsse und dass die Lehrer zumindest lesen und schreiben können sollten, was beides zu meiner Zeit in der Kurpfalz leider nicht immer gegeben war.

Ich denke, ich habe in diesem Bereich schon einiges bewegt, auch im Universitätsbereich, dessen Betrieb ich auf den damals neuesten, fortschrittlichsten Stand hob. Die Universität wurde im Sinne des Humanismus umgestaltet, einzelne Fakultäten (alte Sprachen, Naturwissenschaften, Philosophie) wurden eingerichtet, vor allem aber richtete ich eine der zu meiner Zeit weltweit größten und bedeutendsten Bibliotheken ein, die Euch vielleicht bekannte ,,Bibliotheca Palatina", die heute zum Teil wieder in Heidelberg zu sehen ist, nachdem sie – im Dreißigjährigen Krieg geraubt – zunächst ganz nach Rom in die Vatikanische Bibliothek gebracht wurde, wo Teile noch heute liegen, wie ich mir habe sagen lassen.

Zudem richtete ich ein eigenes Finanzierungssystem ein, eine Stiftung, aus deren Erträgen die Hochschullehrer jährlich neue Bücher anschaffen konnten. Dass ich in diesem Bereich nicht noch mehr unternehmen konnte, lag allein daran, dass ich bereits 1559 das Zeitliche segnete. Allerdings setzten meine Nachfolger Friedrich, aus dem Haus Pfalz-Simmern, da ich ja keine eigenen Kinder hatte, und danach dessen Sohn Ludwig mein Werk erfolgreich fort.

Vielleicht ist ein Grund, meinen Namen für Eure Schule zu wählen, auch in meiner allgemeinen Lebenseinstellung zu finden. Vielleicht habt Ihr Euch meinen Namen ausgeguckt, weil ich ein Mensch gewesen bin, der – obwohl ich sicherlich ein Genießer war – seine Ziele nie aus den Augen verloren hat, der sich vom Besitzlosen über den Herzog zum Kurfürst quasi hochgearbeitet hat, der seine Zeit und Welt zum Besseren verändern wollte und der Bildung im Laufe seines Lebens immer mehr schätzen lernte. Vielleicht sind es Werte wie Ausdauer, Ehrgeiz, Idealismus und Lernbereitschaft, die mich in Eurer Zeit zu einem passenden Schulpatron machen. Bei all den Veränderungen in den mehr als 400 Jahren, die zwischen meinem und Eurem Leben liegen, sind gerade das Werte, die nichts an ihrer Bedeutung verloren, sondern in Eurer Gesellschaft an Wichtigkeit noch dazugewonnen haben. Dazu gehört auch mein Optimismus in die Zukunft, den ich Euch gerne aktiv weitergeben würde: Die Zukunft gehört Euch. Ihr werdet das erreichen, was Ihr wünscht, wenn Ihr stets darauf hinarbeitet, mit gebührendem Einsatz und mit der Zeit... cum tempore!

Euer

Ottheinrich


Quellen: