Eine ganz besondere Autorin war kürzlich zu Gast am OHG: Linda Josefin, selbst einmal hier Schülerin und Absolventin des Doppel-Abitur-Jahrgangs 2012, kehrte nun mit einem spannenden Roman im Gepäck an ihre alte Schule zurück.
Vor Schülerinnen und Schülern aus den Deutsch-Leistungskursen der Jahrgangsstufen 1 und 2 las sie aus "Grenzleuchten 1 – Limits of Light", dem ersten und eben erst veröffentlichten Band einer Trilogie, die sich zwischen Wissenschaft und Magie bewegt. Die Bände zwei und drei der "Grenzleuchten"-Reihe wurden vom Dunkelstern-Verlag bereits angekündigt und werden im September 2026 bzw. Februar 2027 erscheinen.
Linda Josefin, 1994 in Bochum geboren und heute in der Pfalz lebend, studierte nach ihrem Abitur am OHG Theaterwissenschaften, Germanistik und Mathematik und arbeitet inzwischen hauptberuflich als Software-Entwicklerin. Ihre große Leidenschaft, das Schreiben, hat sie jedoch nie losgelassen. Ihre Fähigkeit zum analytischen Denken ist dabei kein Widerspruch, sondern ein Motor ihres kreativen Schaffensprozesses, in dem sie gern den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Magie (oder dem, was wir dafür halten) erkundet. "Urban Fantasy" heißt dieses Genre, das Übernatürliches mit alltäglichen – meist großstädtischen – Settings verbindet. In Linda Josefins Geschichten liegt das Paranormale, zumindest rein wissenschaftlich gesehen, immer im Bereich des Möglichen, so auch in ihrer dystopischen Kurzgeschichte "Euphora". Diese ist in einer futuristischen Welt angesiedelt, in der das Streben nach Glück zur gesellschaftlichen Ideologie geworden ist. Im Gegensatz dazu spielt "Limits of Light" im heutigen Frankfurt am Main. Protagonistin der Geschichte ist die Mathematikerin Mira, die lieber den Zahlen als den Menschen vertraut. Sie gerät nach dem spurlosen Verschwinden ihres Onkels in eine Unterwelt aus Werwölfen und Vampiren – und stößt auf ein Geheimnis, das alle bisherigen Gewissheiten infrage stellt. Manche mögen bei den Stichworten "Werwolf" und "Vampir" müde abwinken und sagen: "Nicht mein Genre!" oder "Kenn' ich zur Genüge!" – Diesen Skeptikern sei gesagt, dass hier alles etwas anders ist, und zwar auf eine smarte Art und Weise. Nicht zuletzt kann man das Buch neben all seinen phantastischen Elementen auch als ganz klassischen Entwicklungsroman lesen, denn Mira lernt im Laufe der Handlung, sich selbst zu vertrauen und ihren eigenen Weg zu gehen.
Mit einem sehr guten Gespür für ihr jugendliches Publikum las die Autorin Passagen aus ihrem Roman vor und gab kleine Höraufträge, um anschließend mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. Dabei war es auch für sie selbst spannend zu testen, welche Reaktionen ihr Text bei ihren Zuhörern auslösen würde, zumal er eben bestimmte Vorerwartungen durchaus konterkariert.
Bei beiden Lesungen zeigten sich die Schülerinnen und Schüler neugierig; insbesondere die Jahrgangsstufe 2 beteiligte sich rege und stellte viele Fragen. Linda Josefin gewährte ihrem Publikum differenzierte Einblicke in die komplexen Überlegungen, die einen solchen Schreibprozess ausmachen und begleiten. Es wurde klar, dass es für das Schreiben eines so umfangreichen Romans – und gar einer Trilogie – mehr braucht als ein paar Inspirationen und ein bisschen sprachliches Geschick. Viel konzeptionelle und gestalterische Arbeit ist nötig, bevor eine Story den Leser so richtig fesselt. Wie lege ich die Figuren an? Wie wird die Spannungskurve aufgebaut? Wo baue ich einen Plot-Twist ein? Fragen wie diese verknüpfte die Autorin mit Fachbegriffen und Konzepten aus dem Storytelling. So nennt man die Kunst, Informationen, Erfahrungen oder Botschaften in Form einer Geschichte zu vermitteln, so dass sie beim Publikum emotional ankommen und im Gedächtnis bleiben. Auch die Anforderungen der Verlagswelt und die verschiedenen Genres, die in den letzten Jahren entstanden sind, dürften vielen Schülerinnen und Schülern vorher nicht bekannt gewesen sein. Der mühevolle Weg eines Manuskripts über Lektorat, Layout und Marketing bis hin zum fertigen, auch ästhetisch und haptisch ansprechenden Buch wurde ebenfalls sehr anschaulich dargestellt.
Im Anschluss an die Lesung begrüßte Oberstudiendirektor Christian Annuschat, einst Linda Josefins Deutschlehrer, seine ehemalige Schülerin sehr herzlich. Den ersten Band der Trilogie hatte er sich bereits gekauft, freute sich aber über ein signiertes Exemplar, das die Autorin dem OHG überließ. Nicht ohne Stolz betonte er, dass sie seines Wissens seine erste Schülerin sei, die unter die Autoren gegangen ist.
Weitere Informationen unter linda-josefin.de