von Emma Schöttler (10a)
Ein Bericht über interkulturelles Lernen, karibische Lebensfreude und die Bedeutung der französischen Sprache
Während andere endlich Schneemänner unter den Schneeflocken bauen konnten, verbrachten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 des Ottheinrich-Gymnasiums mit Französisch als zweiter Fremdsprache zehn Tage in der Sonne auf der wunderschönen französischen Insel Guadeloupe in der Karibik. Eingepackt in Mützen und Schals, flogen wir am 03. Januar los und landeten neun Stunden später im T-Shirt mitten in der heißen Karibik. Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug spürte man, dass man sich nicht nur in einem anderen Land befand, sondern auch in einer komplett anderen Kultur. Jedem war somit klar, dass dieses Abenteuer – gefördert von Erasmus Plus – ein ganz besonderes sein wird!
Am ersten Tag starteten wir mit einem Besuch der Chutes du Carbet. Begleitet von Samantha, einer Einheimischen, die uns immer wieder spannende Geschichten über die Insel erzählte, wanderten wir zu den beeindruckenden Wasserfällen. Anschließend durften wir unser erstes traditionelles kreolisches Mittagessen probieren: Bananenchips zur Vorspeise, danach Hähnchen mit gekochten Brotfrüchten sowie warme Bananen mit Schokoladensoße und Kokosraspeln zum Nachtisch. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Mémorial ACTe, wo wir viel über die Geschichte der Sklaverei auf Guadeloupe erfuhren.
Am Montag stand das Meer an erster Stelle. Mit dem Kajak fuhren wir durch die Mangroven und lernten dabei die ökologische Bedeutung dieses einzigartigen Lebensraums kennen. Wir legten Badestopps ein, bei denen wir Seesternen, Muscheln und Korallen begegneten. Anschließend besuchten wir einen traumhaften Strand mit klarem, türkisfarbenem Wasser und weißem Sand, umgeben von zahlreichen Palmen.
Nach einem lern- und erlebnisreichen Tag auf dem Meer gingen wir Schülerinnen und Schüler mit der ersten Aufregung in den Bus, denn jetzt war unser Ankunftsziel das Lycée, wo unsere Gastfamilien auf uns warteten. Ab jetzt hieß es, seine Französischkenntnisse auszupacken und anzuwenden, und spätestens jetzt war jede und jeder einzelne von uns komplett eingetaucht in der kreolischen Welt im Zuhause einer kreolischen Familie.
Von Dienstag bis Donnerstag organisierte unsere Austauschschule unser Programm. Der thematische Schwerpunkt lag auf den abiturrelevanten Themen identité culturelle (kulturelle Identität) und héritage colonial (koloniales Erbe). Der Austausch ermöglichte spannende Diskussionen über kulturelle Vielfalt, Geschichte und Gegenwart einer Region, die tief von verschiedenen Einflüssen geprägt ist.
Wir lernten außerdem, das Tanzbein zum kreolischen Tanz Gwoka zu schwingen und unternahmen gemeinsame Ausflüge. So besuchten wir beispielsweise zusammen mit unseren Austauschschülern das Museum Edgar Clerc, das sich der Kultur der amérindiens, der Ureinwohner Guadeloupes, widmet. Ebenso eindrucksvoll war die Begehung des Areals, auf dem heute das Gymnasium steht – einst das Domaine de Gissac, ein ehemaliges Kolonialgut. Hier wurde die Vergangenheit Guadeloupes greifbar und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart reflektiert. Während dieser Begehung brachte uns ein Biologielehrer des Gymnasiums auch die faszinierende Natur näher. Mit einer Stärkung von von uns selbst frisch geernteten Kokosnüssen, waren dann alle bereit, ins Wasser zu springen.
Am Freitag mussten dann leider schon die Abschiedsarmbänder, die uns unsere französischen Gastschüler gestaltet hatten, verteilt werden, da es für uns über das Wochenende nach Le Gosier ging. So machten wir noch ein gemeinsames Abschiedsfrühstück in der Schule, bevor es für uns in das Maison du Cacao ging. Dort bekamen wir exklusive Einblicke in die Kakaoherstellung und durften einiges probieren, wie zum Beispiel das Innere der Kakaobohne. Den Tag beendeten wir dann auf dem Markt in Le Gosier beim Stöbern durch die verschiedenen Stände, von exotischem Obst bis zu bunten Souvenirs.
Am vorletzten Tag unseres Aufenthalts besuchten wir die Nachbarinsel Marie-Galante, wo wir lernten, wie aus Zucker Rum hergestellt wird. Doch zuletzt stand endlich das Highlight von allen an: ein Tag auf dem Katamaran. Bei mehreren Badestopps tauchten wir zu einem Schiffswrack, schwammen um eine kleine Insel und entdeckten farbenfrohe Korallenriffe oder bunte Fische.
Und somit rollerten zwölf Koffer voller Souvenirs und einzigartiger Erinnerungen wieder zurück zum Flughafen. Hiermit geht ein riesengroßes Dankeschön an Frau Graf und Frau Hellwarth, die für uns diese unglaublich, besondere Studienfahrt möglich gemacht haben!
(Fotos: Gr)